Karossen einer glanzvolleren US-Ära

 

 

Klar sind „gas guzzler“ (Spritschlucker) wie der V8-Cadillac Convertible oder der Lincoln Continental (Foto) aus heutiger Sicht Dinosaurier der Motorkultur. Aber sie sind zugleich Monumente einer besseren US-Zeit. Als man sich noch keine Sorgen um Klimawandel und Ressourcen-Management machen musste – mangels unwiderlegbarem Wissen darüber – und Nordamerika sich noch selbstbewusst als “Superpower” (Weltmacht) bezeichnen konnte.

Aus dieser Zeit stammen auch Slogans wie “Everything is bigger in America”, also alles ist größer in Amerika. Das stimmt(e) ja auch, zumindest wenn man den Lincoln, die Luxus-Marke aus dem Hause Ford, anschaut. Der nahezu sechs Meter lange und über zwei Tonnen schwere Schlitten repräsentierte aus europäischer (und sicher auch aus chinesischer) Sicht den verschwenderische Lebensstil der USA. Aber eben auch den (Irr)Glauben an eine sorgenfreie Zukunft, typisch für die  60er und 70er Jahren. Dann kam die Ölkrise, ein im Rückblick kurzzeitiger Dämpfer für das Wirtschaftswachstum. Verbrauchswerte von 30 bis 40 Litern auf 100 Kilometer (bei ambitionierter Gangart) wurden erstmals hnterfragt.

Cadillac DeVille versus Lincoln Continental

Auch der Cadillac DeVille gehört(e) zur Gattung der damaligen Luxus-Liner. Die senkrecht stehenden Rückleuchten waren nicht nur eine stilistische Weiterentwicklung des Heckflossen-Themas, welches in den späten 50er Jahren seinen unverschämt schwülstigen Höhepunkt erlebte. Sie sind zugleich Ausdruck des Selbstbewusstseins der Marke Cadillac, die auf dem Heimatmarkt heute nur noch mit Lincoln (Ford s.o.) konkurriert.

Fahrer dieses DeVille Convertible von 1970 müssen hinter dem Riesenlenkrad und der endlosen Motorhaube ein Gefühl der Erhabenheit erleben. Das Fahrzeug ist eine glasklare Ansage: Hier kommt big business, hier geht’s nicht um peanuts.

Auch der enorme Überhang am Heck mit den elegant verdeckten Hinterrädern spricht für sich. Vermutlich kann man locker einen Fiat 500 quer in den Kofferraum stellen – so riesig sieht er jedenfalls aus. „Everything is bigger in America“, ein Leitspruch, der Generationen in den USA geprägt hat – bis heute. Und es stimmt: Nicht nur das Land ist viel größer als die „alte Heimat“ der meisten Bewohner bzw. deren Vorfahren. Sowohl die Chancen (American Dream) als auch die Risiken sind es ebenfalls …

Hier steht er also, der Cadillac DeVille Convertible, in einem Ortsteil von Brooklyn, in dem sich heute viele Lebenskünstler und Intellektuelle tummeln. Es ist eine Mischung aus Faszination und Ungläubigkeit die einen beschleicht, wenn man vor diesem kubischen Mutterschiff steht und sich in eine andere Zeit versetzt fühlt.

Cadillac DeVille Convertible, Fotoquelle: Karl Storchmann
Cadillac DeVille Convertible, Fotoquelle: Karl Storchmann

 

 

 

Fotos: Karl Storchmann, USA

Erschöpfend viele Cadillac-Infos auch bei Wikipedia

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