Schrottplatz oder Autoskulpturenpark

Auf der Suche nach interessanten Motiven tritt Jürgen Hofmann von der Uni Mainz eine ungewöhnliche Reise in die Vergangenheit an. Eine Fahrt ins Neandertal zwischen Düsseldorf und Wuppertal erweist sich für den Hobby-Fotografen und seine Weggefährten als äußerst ergiebig.

Der Zahn der Zeit nagt (…), Rost ist nicht zu übersehen

Die Reise in die Vergangenheit führt sie zu einem Schrottplatz. Nicht zu irgendeinem Schrottplatz, die man auch im Rhein-Main-Gebiet findet, sondern zu einer sehenswerten Seltenheit. Schon am Eingang ahnt man, was einen erwartet.

Ein altes Feuerwehrauto der “Freiwilligen Feuerwehr Ochsenfurt” am Main blinzelt die Besucher an. Der Zahn der Zeit nagt an dem Fahrzeug. Rost ist nicht zu übersehen und die moosbedeckten Flächen zeigten dem Betrachter, dass dieses Fahrzeug schon lange an diesem Ort steht.

Autos aus den fünfziger Jahren in hügeligem Waldstück

Als sich dann das Tor öffnet, wird die Gruppe herzlich von der Eigentümerin des Schrottplatzes begrüßt. Jetzt gibt es kein Halten mehr. Das „Fotografenauge“ weiß nicht mehr, wo es zuerst hinschauen soll, erinnert sich Hofmann. In dem hügeligen Waldstück sieht man Autos aus den fünfziger Jahren in mehr oder weniger „gutem Zustand“.

Jedes Mitglied der Hobby-Fotografen-Gruppe war plötzlich mit sich und den Objekten alleine. Zwischen Bäumen eingeklemmt, als wären sie gegen einen Baum gefahren oder vor einem Teil der Berliner Mauer drapiert, sind die nicht mehr fahrtüchtigen Fahrzeuge einfach magisch anziehend.

In einem Fahrzeug steckt noch der Zündschlüssel

Selbst für einen Laien ist deutlich erkennbar, dass diese Fahrzeuge keine Daseinsberechtigung mehr auf Deutschlands Straßen haben, hier aber ein ewiges Zuhause fanden. Verrostet, mit Moos begrünt, Reifen platt, Karosserieteile fehlen, etc. etc. Wie schön kann Schrott sein. Der Autointeressierte konnte noch erkennen, um welche Fahrzeuge es sich aus den Fünfzigern handelt.

Ob Porsche, VW mit geteilter Heckscheibe oder ein alter BMW, der an einer Rally Bavaria teilgenommen hat, man muss kein Autofetischist sein, um hier den Auslöser der Fotokamera gedrückt zu halten. Detailverliebte können in einem der Fahrzeuge sogar noch ein Autoradio finden. Oder der alte VW-Käfer mit dem alten VW-Logo auf der Fronthaube – der Wolf auf der Burg mit dem Fluss davor. In einem der Fahrzeuge hat der Vorbesitzer wohl den Zündschlüssel stecken lassen.

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Auch Rolls Royce ist vertreten. Nur Emily macht etwas Kopfzerbrechen. Schließlich kennen wir diese nur mit geschwungenen Flügeln auf der Motorhaube. Selbst Fahrzeuge aus der ehemaligen DDR sind vertreten, deren Markenzeichen heute noch in Form von Audi weiter fährt.

Eine alte Zapfsäule von Shell, Leuchtreklame mit Autoreifen

Detailverliebt, man kann dies nicht oft genug erwähnen, erspäht man Fahrzeuge oder das was noch übrig ist, von LLOYD, Renault, Ford (Die tun was), Morris, Jaguar, Goggomobil, usw. Oder die vielen Kühlerfiguren, von denen viele der Automobilgeschichte angehören. Eine alte Zapfsäule von Shell, Leuchtreklame mit Autoreifen, alte Autokennzeichen von Frankreich über Deutschland und Großbritannien bis Kuba, ergänzten die Autoshow im Autoskulpturenpark. Einfach cool.

Immer wieder kreisen die Hobby-Fotografen im Wald um die alten Fahrzeuge, die einem nach fast zwei Stunden ans Herz wachsen. Jedenfalls kann man sie immer wieder anschauen und entdeckt immer wieder etwas „neues Altes“. Einfach ein Erlebnis das einmalig ist. Es passt einfach alles: ein strahlender Herbsttag, das bunt gemischte Laub, ein Jahr das zu Ende geht und die „alten Autos“, die sicherlich viel über die Jahre erzählen könnten.

Schweren Herzens verlassen Jürgen Hofmann und Kollegen das Gelände nach zwei Stunden wieder. Die Oldies aus den fünfziger Jahren modern weiter vor sich hin. Und die Ausbeute des Tages? ca. 350 Aufnahmen, die noch überarbeitet werden – das Ergebnis wird sehenswert sein.

Ein Bericht von Jürgen Hofmann (Erstveröffentlichung am 24.10. 2016, Mainz)

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