Denn sie wissen nicht, was sie tun

Chevrolet Bel Air, Bj. 1955, Foto Markus Penk, Gotland

sleeping-beauties.de-Leser Markus Penk erfährt auf Gotland, Schweden, eine Zeitreise in die Vergangenheit. Hier teilt er sein Erlebnis mit Gleichgesinnten:

Als mein schwedischer Onkel ankündigte, dass wir bei unserem Besuch im Norden der Insel Gotland auch bei einem Sammler alter US-Karossen vorbeikommen, war ich schon vor Reiseantritt sehr gespannt. Als wir ankamen, staunte ich nicht schlecht: Da standen US-Cars der 50er und 60er Jahre, scheinbar planlos abgestellt. Automobile, verfallene Filmklassiker waren mir noch nie im Freien untergekommen. Sofort dachte ich an den Streifen mit James Dean in der Hauptrolle: „Rebel without a cause“ (Deutscher Filmtitel: “Denn sie wissen nicht, was sie tun”).

Klassiker der “Generation Silent”

Der Mädchenschwarm der 1950er-Jahre spielte in diesem Drama unter der Regie von Nicholas Ray einen sanften Rebellen, der um Liebe und Anerkennung ringt. Archetypisch steht er für die „Generation Silent“ (Deutsch: stille Generation), also Menschen, die zwischen 1928 und 1945 geboren wurden und deren Kindheit und Jugend durch Weltkriege, große wirtschaftliche Unsicherheiten und Entbehrungen geprägt war. Eine stille Generation also, weil es gefährlich war, die Gedanken offen auszusprechen.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

An diesen Film, dessen Protagonisten und Autos muss ich beim Anblick der verrosteten Straßenkreuzer denken; z.B. an das berühmte „Hasenfußrennen“: Buzz und Jim (James Dean), zwei Protagonisten des Films, rasen dabei in gestohlenen Autos auf eine Klippe zu. Wer zuerst aus dem Auto springt, ist das „chicken“, der Feigling. Während Jim kurz vor der Klippe herausspringt, bleibt Buzz mit dem Jackenärmel am inneren Türgriff hängen und stürzt mit dem Auto in die Tiefe. Tragisch, denke ich, und frage mich was wohl die früheren Eigentümer der hier auf Gotland abgestellten Karossen erlebt haben.

Schaurig schöne Trutzburgen der US-Automobilgeschichte

Leider sind die meisten Autos in einem miserablen Zustand. Der Rost hat im Laufe der Zeit ganze Arbeit geleistet. Es klaffen riesige Löcher in Türen, Motorhauben und Bodenbleche. Schaurig schön, diese ehemaligen Trutzburgen der Automobilgeschichte anzusehen. Legendäre, alte Karossen in bemitleidenswertem, morbiden Zustand. Weiß der Eigentümer um das Schicksal der schlafenen Schönheiten? Man kann nur hoffen, dass sich schon bald Liebhaber finden, die den weiteren Verfall der Autos stoppen, denk ich. Irgendwann könnten die Schätzchen wieder in neuem Glanz erstrahlen. Echte Prachtstücke einer vergangenen Zeit. die meine Fantasie anregen.

Text und Bild: Markus Penk, zzt Gotland

Chevrolet Bel Air, Bj. 1956, Foto Markus Penk, Gotland
Chevrolet Bel Air, Bj. 1956, Foto Markus Penk, Gotland

 

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