Ein später Nachmittag auf dem Kies eines Weingutes im Rheingau, der Roadster steht zwischen einer Pagode und einem Mehari. Wer kennt die Szene nicht? Die Tür geht auf, eine Hand sucht den Scheibenrahmen, der Rest kommt in Etappen. Ein tiefer Sitz verlangt einem Fahrer ab 50 eben etwas ab.
Wartungsplan für den Automobilisten
Am Oldtimer hat jedes Bauteil seinen Wartungsplan, vom Öl über die Zündung bis zum Verdeck. Und der Fahrer selbst? Hüfte, Rücken, Nacken? Die bekommen, wenn es gut läuft, am Ende der Rallye-Tage einen Wellnessbereich für erschöpfte Fahrer. Vier Positionen für seinen Wartungsplan haben wir für Sie recherchiert, für alle, die ihr Schätzchen noch lange selbst durchs Rebenland bewegen wollen.

Aussteigen aus dem tiefen Sitz, eine Kniebeuge von unten
Ein Roadster ist kein Raumwunder, das gilt für den Spitfire wie für die meisten Engländer und Italiener seiner Zeit. „Tiefe Sitzposition“ und „athletischer Einstieg“ hieß es auf sleeping-beauties.de schon einmal über ihn, im Vergleich mit einem McLaren. Die Beine strecken sich nach vorn, beim Aussteigen fehlt die Türkante in Hüfthöhe, an der man sich sonst hochzieht, und Hüfte und Rücken machen die Arbeit.
Hilfreiche Studien für 50+ Piloten
In Rotterdam hat man 39 Studien zum Aufstehen aus dem Sitzen durchgesehen und nachgerechnet. Ein höherer Sitz senkt die Belastung des Knies um bis zu 60 Prozent und die der Hüfte um bis zu 50 Prozent. Wer sich auf Armlehnen stützt, halbiert die Belastung der Hüfte. Der Scheibenrahmen übernimmt im Roadster, was am Stuhl die Armlehne leistet, mehr steckt hinter dem Griff nicht.
Ausstieg aus Roadster wie Kniebeuge
Eine Cochrane-Übersicht hat dazu 121 Studien mit 6.700 Älteren zusammengerechnet. Krafttraining, meist zwei- bis dreimal die Woche und durchaus fordernd, steigerte die Muskelkraft erheblich und half unter den Alltagsbewegungen besonders beim Aufstehen vom Stuhl. Das Aufstehen vom Stuhl ist nichts anderes als eine Kniebeuge, und der Ausstieg aus dem Roadster dieselbe Kniebeuge ein Stockwerk tiefer. Probieren Sie es im tiefsten Sessel des Hauses, ohne Hände. Lese-Tipp: die huuman-Beiträge zu Muskelaufbau im Alter und Krafttraining für ältere Erwachsene.

Drei Stunden am dürren Lenkrad
Dünnes Holzlenkrad, keine Servolenkung, die Arme gestreckt, der Blick über die Haube, vor Ihnen die Serpentinen der Mosel, rauf und runter. Schöner sitzt man nirgends, nur eben drei Stunden in derselben Haltung, und das merken Nacken und Schultern. Unterwegs bleibt es beim Hausmittel: bei jedem Tankstopp aussteigen, die Schultern kreisen lassen, das Kinn ein Stück zurücknehmen.
Gymnastikband an Türgriff der Garage
Bei chronischen Nackenschmerzen hilft nach einer zweiten Cochrane-Übersicht die gezielte Kräftigung von Nacken, Schultergürtel und Armen spürbar, zumindest über die ersten Monate. Dehnen allein ist dünner belegt und ändert womöglich gar nichts. In einer kleinen Kopenhagener Studie mit 30 Büroangestellten, alle Frauen mit chronischen Nacken- und Schulterschmerzen, reichten zwei fordernde Minuten am Tag mit einem elastischen Band, zehn Wochen lang. Die Schmerzen lagen danach um 40 Prozent niedriger als in der Gruppe ohne Band. Das Band gehört an den Türgriff der Garage, direkt neben die Lederpflege (und wird dort wohl häufiger angesehen als benutzt).
Laufleistung entscheidend
Beim Treffen im Weingut von Knyphausen (Erbach, Rheingau) spazieren die Gäste durch die Reihen, bleiben stehen, führen „Benzingespräche“, fachsimpeln, gehen weiter. Für die Beine ist das mehr Arbeit als die Anfahrt.
Ein Forscherteam um die University of Pittsburgh hat dafür im Fachblatt JAMA neun Langzeitstudien mit 34.485 selbstständig lebenden Menschen ab 65 zusammengeführt. In allen neun hing das Gehtempo mit der Lebenserwartung zusammen, über die ganze Bandbreite hinweg, jeder Zehntelmeter pro Sekunde zählte. Es sind Zusammenhänge, keine Versprechen. Am Gehtempo lässt sich arbeiten, anders als am Baujahr: die Kniebeuge von vorhin, Treppe statt Aufzug (z.B. im Parkhaus der Messe), ein Rundgang zu Fuß. Das Programm für Hüfte, Nacken und Beine kann man sich selbst zusammenschrauben oder huuman, einer Coaching-App, die Krafttraining auf die eigene Lebensphase abstimmt, überlassen.
Erholung nach vier Tagen Saar, Mosel und Rheingau
Vier Tage Saar, Mosel und Rheingau wie bei der Porsche-Weintour aus „Money can’t buy: Erlebnis im Rebenland“, Hotels entlang der Route. Wer auf Tour im Hotel schläft, kennt sie: die erste Nacht im fremden Bett. Im Fachblatt Current Biology haben Forscher der Brown University beschrieben, was da passiert. In dieser Nacht bleibt eine Hirnhälfte als Nachtwache wacher, das Einschlafen dauert länger, und auf fremde Geräusche reagiert die wachere Hälfte schneller und weckt eher. In späteren Nächten im selben Labor zeigte sich das nicht mehr. Wer jede Nacht das Hotel wechselt, schläft damit jede Nacht wieder die erste Nacht. Bei eigener Routenplanung spricht viel dafür, zwei Nächte im selben Haus zu bleiben.

Wellness gegen Muskelkater und Ermüdung
Auch der Wellnessbereich am Ende der Rallye-Tage im Bayerischen Wald (Pool, Whirlpool, mehrere Saunen, Dampfbad) zählt zur Wartung. In einer Auswertung von 99 Studien war Massage die wirksamste Methode gegen Muskelkater und die Ermüdung nach Anstrengung.
TV-Star: Wein und Autoklassiker helfen
Günther Jauch hat es im Interview mit sleeping-beauties.de so gesagt: „Das Gefühl, Zeit zu haben und sich am Leben zu freuen, das verbinde ich mit Wein und einem schönen Autoklassiker.“ Stimmt. Nur braucht es dafür eine Hüfte, die aus dem Sitz kommt, und einen Nacken, der die Serpentinen bis zum Abend mitmacht. Was länger als ein paar Wochen zwickt, ob Hüfte, Rücken oder Nacken, gehört zum Arzt oder Physiotherapeuten. Für alles andere hat der Fahrer jetzt einen Wartungsplan, wie sein Wagen. Allzeit gute Fahrt!
Lesen Sie auch:
Classic Car Season in full swing