Wie Paul Breitner den Bitter CD rettete

In Teil 4 der Interview-Serie lesen Sie, wie Erich Bitter die Durststrecke während der Ölkrise überstand und mit welcher Idee er doch noch die Absatzprobleme der Bitter-CD-Kleinserie löste.

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War der Bitter CD doch zum Scheitern verurteilt und das “falsche Auto”?

Nein, es war das richtige Auto, aber die falsche Zeit! Nachdem ich Anfang der 70er Jahre viele Stornierungen von Kaufverträgen hinnehmen musste, fragte ich mich: “Verdammt, wo gehe ich jetzt hin und wie verkaufe ich mein Auto, den Bitter CD?”

Wie kam es zu dem Nachfrage-Einbruch, ausgerechnet nach der vielversprechenden Präsentation auf der IAA 1972?

Die Ölkrise vermasselte alles. Der Bitter CD verfügt(e) über eine gute Technik, eine elegante Form und es gab kein Theater mit Rückläufen – alles prima also! Aber niemand mochte mehr einen Wagen mit V8-Motor kaufen, statt dessen gingen die Menschen Anfang der 70er Jahre auf der Autobahn spazieren, am sogenannten “Autofreien Sonntag”.

Wie lautete Ihre zündende Idee, um das Absatzproblem zu lösen?

Dank meiner Vertriebserfahrung war mir klar: ich musste versuchen “Testimonials” von meinem Wagen zu überzeugen, also Persönlichkeiten des Gesellschaftslebens. Einer der Türöffner war Paul Breitner. Er war damals in der Fußball-Nationalmannschaft und mochte italienische Sportwagen, klagte aber über deren mangelnde technische Zuverlässigkeit.

Da konnten Sie dank der ausgereiften V8-Technik aus dem Diplomat Abhilfe schaffen?

Klar, der V8-Motor des Diplomat war ja vielfach von GM verbaut worden und hatte keine Kinderkrankheiten. Nach Paul Breitner orderten auch Karl-Heinz Rummenigge, Udo Lattek, Erich Ribbeck, Jürgen Grabowski und Bernd Hölzenbein den “Sportwagen für Sportler” – einen Bitter CD. (Foto: Fahrzeugübergabe an Jürgen Grabowski und Bernd Hölzenbein. Quelle: Bitter GmbH).

Der Verkauf des Bitter CD nahm also nach langer Durststrecke Fahrt auf?

Ja, es blieb natürlich ein Nischenfahrzeug, aber etablierte sich in Promi-Kreisen. Die Benzinkrise ging vorbei und plötzlich ging es bergauf. Günter Netzer blieb zwar immer Ferrari-Fan und auch Uli Hoeneß habe ich nie ein Auto verkauft, aber inzwischen hatte ich viele namhafte Kunden aus der Fußball-Welt.

Die Testimonial-Idee ging auf?

Absolut. Das Image des Bitter CD war gut. Alle wussten zum Beispiel, dass es einfach war, beim Opel-Händler einen Service zu erhalten. Die Opel-Händler in München freuten sich umgekehrt auch, wenn ein Paul Breitner zu ihren Kunden zählte. Da wurde während der Inspektion gleich eine Autogrammstunde gegeben. Super!

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Teil 2  Carlo Abarth zweifelt am Gelingen
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Teil 5  Schwarze Witwe begründet Männer-Freundschaft

Hintergrund: ClassicPodCars-Gründer Oli Kemmann und Frank Schulz führten auf der IAA 2019 ein Interview mit dem umtriebigen Erich Bitter (86). Auszüge daraus werden auf sleeping-beauties.de in mehreren Teilen veröffentlicht, dem non-profit Motorkultur-Portal. Wir danken RetroMotion für die Realisierung des Interviewtermins.

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